Die Astrologie in Brasilien
Die Astrologie kam mit dem Schiff nach Brasilien, zusammen mit der Seefahrt.
Sie kam im selben Paket wie die Astronomie, und lange Zeit beschrieben die beiden Namen ein und dasselbe Gebiet. Wer die Position eines Planeten berechnen konnte, konnte sie auch deuten, und die Tabellen, mit denen ein portugiesischer Steuermann sich auf See orientierte, waren dieselben, mit denen ein Arzt den Tag für einen Aderlass wählte. Die Trennung zwischen beiden ist neu, und sie kam lange nachdem es Brasilien schon gab.
In der Kolonialzeit kam das Wissen über den Himmel über zwei Kanäle ins Land. Der eine war die Seefahrt, eine Staatsangelegenheit, die in Berechnung geschulte Leute brauchte. Der andere waren die religiösen Orden, die Jesuiten vor allem, die die europäische Universitätsbildung ihrer Zeit mitbrachten — und in dieser Bildung hatte die Astrologie einen anerkannten Platz, verbunden mit Medizin und Kalender.
Was die Astrologie im Land aber zum Gesprächsthema machte, stammt aus dem 20. Jahrhundert: die Horoskop-Kolumne in der Tageszeitung. Von ihr kommt die Frage „welches Sternzeichen bist du?“ als Gesprächseinstieg — ein Satz, den fast jede Brasilianerin schon gesagt hat und der ohne die Massenpresse nicht existieren würde. Omar Cardoso ist der Name, der am meisten mit dieser Popularisierung verbunden wird, zwischen der gedruckten Kolumne und dem Fernsehen.
Der Nebeneffekt ist groß, und man muss ihn benennen: Die Zeitungskolumne hat dem ganzen Land beigebracht, Astrologie sei das Sonnenzeichen. Zwölf Kästchen, eins pro Geburtsmonat. Das ist die Version, die in eine Zeitungsspalte passt, und ein sehr dünner Ausschnitt von dem, was ein Geburtshoroskop enthält — die Sonne ist ein Punkt unter zehn, und die Geburtsstunde, die die Kolumne nie erfragt, verändert die ganze Deutung.
Man sollte auch sagen, was daran gut ist, denn es ist nicht nur Verlust. Die Zeitungskolumne hat in Brasilien ein Publikum geschaffen, das das eigene Zeichen kennt und die zwölf Namen erkennt — eine Grundbildung, die fast kein anderes symbolisches Thema hat. Wer heute ein vollständiges Geburtshoroskop sucht, hat oft genau dort angefangen.
Was Brasilien der Astrologie gegeben hat
Brasilien ist heute eines der größten Astrologie-Publikum der Welt, und das ist kein Erbe einer brasilianischen Schule: es ist das Erbe einer Zeitungskolumne, die zur Populärkultur wurde.
Vier Dinge über den Himmel Brasiliens
Bevor die Astrologie mit dem Schiff ankam, wurde der Himmel hier schon gelesen — und auf eine Art, die es in der europäischen Tradition nicht gibt. Mehrere indigene Völker Brasiliens erkennen Figuren, die in den dunklen Flecken der Milchstraße gezeichnet sind, und nicht in den Sternen. Die bekannteste ist der Ema, der Nandu: sein Schnabel ist die dunkle Wolke, die Astronomen den Kohlensack nennen, direkt neben dem Kreuz des Südens. Es ist ein Sternbild aus fehlendem Licht, und im Zodiak, der von außen kam, gibt es nichts Vergleichbares.
Der Kalender dieser Lesarten war praktisch. Das Wiederauftauchen der Plejaden am Morgenhimmel, nach Wochen ohne sie zu sehen, kennzeichnete für viele dieser Völker den Wechsel der Jahreszeit — dasselbe Sternenhäufchen, das die griechische Astrologie als die Plejaden kennt und mit dem die arabische Tradition die Liste der Mondstationen eröffnete. Drei Traditionen ohne Kontakt zueinander blickten auf denselben Sternhaufen und entschieden, dass er etwas beginnt.
Es gibt eine astrologische Linie, die auf dem Boden Brasiliens eingezeichnet ist, und ihr Name blieb vor zweitausend Jahren zurück. Der Wendekreis des Steinbocks verläuft durch den Bundesstaat São Paulo, kurz oberhalb der Hauptstadt, und heißt so, weil die Sonne bei der Wintersonnenwende im Dezember im Sternbild Steinbock stand. Wegen der Präzession — dem langsamen Verschieben des Himmels, ein Grad alle 72 Jahre — steht die Sonne heute an diesem Tag im Schützen.
Und die Genauigkeit lohnt sich, denn sie ist der Unterschied zwischen zwei Astrologien: Die Sonne tritt an jenem Tag weiterhin in das Zeichen Steinbock ein, weil der tropische Zodiak durch die Sonnenwende definiert ist. Was seinen Platz gewechselt hat, ist das Sternbild, das ein Muster aus Sternen ist. Die Linie auf der Karte Brasiliens trägt den Namen des Sternbilds, und deshalb ist sie veraltet.
Die brasilianische Flagge ist eine Himmelskarte eines Augenblicks — und wer sie entwarf, mochte Astrologie überhaupt nicht. Die Sterne im blauen Kreis zeigen den Himmel über Rio de Janeiro am Morgen des 15. November 1889, dem Tag der Ausrufung der Republik, mit dem Kreuz des Südens in der Mitte. Der Wahlspruch darum, „Ordnung und Fortschritt“, stammt aus dem Positivismus von Auguste Comte — einer Strömung, die die Astrologie als das vollendete Beispiel jenes Denkens behandelte, das die Wissenschaft abgelöst hatte.
Es gibt ein Detail, das kaum jemand bemerkt: Die Sterne sind so angeordnet, als sähe man sie von außen von der Himmelssphäre, seitenverkehrt im Vergleich zu dem, was man von hier unten sieht. Das ist die Konvention des Himmelsglobus, des Instruments, das Astrologen und Seefahrer benutzten. Das Symbol des positivistischen Brasiliens ist ein Himmel, gezeichnet nach der Gewohnheit der Astrologen.
Und es gibt eine Frage, die nur ein Land der südlichen Hemisphäre stellt, und die keine Zeitungskolumne beantwortet. Der tropische Zodiak beginnt mit dem Widder zur Tagundnachtgleiche im März, und die überlieferte Symbolik sagt, der Widder sei der Anfang, der Antrieb, der Spross, der die Erde durchbricht. Das beschreibt den Frühling — den Frühling der nördlichen Hemisphäre. In Brasilien ist der März Herbst.
Astrologen diskutieren das Thema seit Jahrzehnten, ohne zu einer Einigung zu kommen. Manche fordern, die Zeichen unterhalb des Äquators umzukehren, sodass die Tagundnachtgleiche im März hier die Waage eröffnet. Andere entgegnen, der tropische Zodiak messe die Beziehung zwischen Erde und Sonne, die auf beiden Hemisphären gleich sei, und das Frühlingsbild sei eine spätere Illustration, nicht die Definition. Diese Seite verwendet den tropischen Zodiak ohne Umkehrung, das ist der Standard der Praxis — und findet, man sollte wissen, dass die Frage existiert.
Eine letzte, von offizieller Seite: Das Observatório Nacional wurde 1827 gegründet, noch zur Zeit des Kaiserreichs, und lieferte jahrzehntelang, was man von einem Staatsobservatorium erwartete — die genaue Uhrzeit, Ephemeriden, Hilfe bei der Orientierung auf See und bei der Grenzziehung. Es ist dieselbe Liste von Aufgaben, die in Europa vorher am Hof den Astrologen zufiel. Der Beruf hat sich in zwei geteilt; die Aufgabe, den Stand der Gestirne zu berechnen, ist dieselbe geblieben, und aus ihr stammt die Tabelle, die diese Seite nutzt, um ein Horoskop zu erstellen.
Und eine praktische Warnung, die für einen Brasilianer mehr zählt als jede andere Tatsache dieser Liste: die Sommerzeit hat die Geburtsstunde von Millionen Menschen hier durcheinandergebracht. Brasilien führte die Uhrumstellung im Verlauf des 20. Jahrhunderts mehrfach ein, setzte sie aus und führte sie wieder ein, mit Regeln, die von Bundesstaat zu Bundesstaat wechselten. Eine Geburtsurkunde, die „geboren um 3 Uhr“ sagt, sagt oft nicht, ob diese Uhr vorgestellt war — und eine Stunde Fehler wechselt in der Hälfte der Fälle den Aszendenten. Es ist der häufigste Datenfehler in einem brasilianischen Geburtshoroskop, und daran ist nichts Esoterisches: Es ist Gesetzgebung.
Und der Himmel über São Paulo ist anders — das lässt sich messen
Der Teil der Astrologie, der vom ORT abhängt, nicht nur vom Datum, ist der Aszendent: der Grad des Zodiaks, der im Moment der Geburt gerade am Horizont aufsteigt. Er wechselt alle zwei Stunden und hängt vom Breitengrad der Stadt ab.
Und die zwölf Zeichen steigen nicht mit derselben Geschwindigkeit auf. Manche brauchen mehr als zwei Stunden, um den Horizont zu überqueren, andere weniger als eine, und dieser Unterschied wächst, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Ich habe 200.000 Momente zwischen 1950 und 2010 zufällig ausgewählt und den Aszendenten für São Paulo berechnet, auf 23° Süd:
| In São Paulo, 23° Süd | Gemessen |
|---|---|
| Der häufigste Aszendent | Stier, 9,5 % |
| Das am wenigsten Häufige | Waage, 6,4 % |
| Wie oft wahrscheinlicher der eine als der andere ist | 1,5× |
| Wäre die Verteilung ausgeglichen | 8,3 % für jedes |
Achte darauf, was das bedeutet: zwei Menschen, die zur exakt gleichen Stunde geboren wurden, eine in São Paulo und eine in einer Stadt auf einem anderen Breitengrad, können unterschiedliche Aszendenten haben — und wie häufig jeder Aszendent vorkommt, ändert sich mit dem Ort. Die Geburtsstadt ist kein Verwaltungsdetail im Formular: sie fließt in die Rechnung ein.
Das Muster dieser Reihe ist reine Geometrie, und man kann es in einem Satz sagen: Je weiter vom Äquator entfernt, desto ungleicher die Verteilung. In Kopenhagen, bei 56 Grad nördlicher Breite, beträgt der Unterschied zwischen dem häufigsten und dem am wenigsten häufigen Aszendenten das 4,3-Fache; in São Paulo, bei 23 Grad südlicher Breite, sinkt er auf das 1,5-Fache.
Dein Aszendent hängt von der Uhrzeit und der Stadt deiner Geburt ab, und keine Sternzeichen-Tabelle kommt da heran. Das sind zwei Angaben, die nur die Berechnung liefert.
Mein Horoskop kostenlos erstellenHäufige Fragen
Hat die Astrologie in Brasilien eine eigene Geschichte?
Sie kam im selben Paket wie die Astronomie, und lange Zeit beschrieben die beiden Namen ein und dasselbe Gebiet. Wer die Position eines Planeten berechnen konnte, konnte sie auch deuten, und die Tabellen, mit denen ein portugiesischer Steuermann sich auf See orientierte, waren dieselben, mit denen ein Arzt den Tag für einen Aderlass wählte. Die Trennung zwischen beiden ist neu, und sie kam lange nachdem es Brasilien schon gab. In der Kolonialzeit kam das Wissen über den Himmel über zwei Kanäle ins Land.
Warum verändert der Breitengrad den Aszendenten?
Weil der Aszendent der Grad des Zodiaks ist, der gerade am Horizont aufsteigt, und die Zeichen nicht alle mit derselben Geschwindigkeit aufsteigen. Je weiter man vom Äquator entfernt ist, desto größer der Unterschied: manche Zeichen brauchen mehr als zwei Stunden, um aufzusteigen, andere weniger als eine. Nahe am Äquator ist die Verteilung fast ausgeglichen; nahe am Pol tauchen manche Zeichen kaum auf.
Heißt das, mein Aszendent-Zeichen ist häufig oder weniger häufig?
Es heißt, dass die Rechnung davon abhängt, wo du geboren wurdest, nicht nur wann. Zwei Menschen, die zur gleichen Stunde in Städten auf unterschiedlichen Breitengraden geboren wurden, können unterschiedliche Aszendenten haben — und wie häufig jeder davon vorkommt, ändert sich mit dem Ort. Das ist einer der Gründe, warum ein Geburtshoroskop die Stadt braucht, nicht nur das Datum.
Wo kann ich meinen Aszendenten sehen?
Im Geburtshoroskop, das diese Seite kostenlos aus Geburtsdatum, Geburtsstunde und Geburtsstadt berechnet. Der Aszendent wechselt alle zwei Stunden, die Uhrzeit ist also entscheidend: ein Fehler von zwei Stunden vertauscht meist das ganze Zeichen.
Die Astrologie in Brasilien im Überblick
Schlüsselwörter Seefahrt, Zeitungskolumne, Sonnenzeichen
Die Zahlen auf dieser Seite gelten für alle, die in São Paulo oder in der Nähe geboren wurden, denn sie ergeben sich aus dem Breitengrad. Was sich daraus nicht ergibt, ist dein Aszendent. Er wechselt alle zwei Stunden, und ohne die Geburtszeit lässt sich nicht sagen, welcher deiner ist — die Häufigkeit jedes einzelnen beschreibt die Bevölkerung, nicht dich.